Der Gefrierpunkt des Blutes / Manzini, Antonio

Rocco Schiavone wird aus seinem geliebten Rom ins Aosta Tal strafversetzt, für ihn eine wahre Zumutung. Nur kurz darauf geschieht ein Mord auf einer Ski Piste, das Opfer wird von einer Schneeraupe überrollt n dabei vollkommen entstellt.
Das Buch wurde in Italien sofort zu einem Bestseller, was ich gar nicht nachvollziehen kann. Der Krimi an sich hätte gut werden können, geriet aber durch den vollkommen überzogenen Kommissar in den Hintergrund.
Schiavone war einfach nur respektlos, überheblich, dumm, feindlich gegenüber den Bewohnern eingestellt, wird im Dienst handgreiflich, genießt seine Joints und handelt kriminell. Seinen Humor konnte ich nicht nachvollziehen, der grenzte eher an Dummheit.
Ich mag Charaktere mit Ecken und Kanten, hier jedoch war es zu viel des Guten und die Figur des Kommissars hat mir den kompletten Lesespaß verdorben. Einen Krimi in dem dieser Kommissar ermittelt mag ich nun wirklich nicht mehr lesen, es war schon eine Leistung das Buch überhaupt bis zum Ende zu lesen.

Veröffentlicht unter Krimi und Thriller | Hinterlasse einen Kommentar

In guten wie in toten Tagen / Gina Mayer

Helena heiratet ihren ehemaligen Lehrer Tom, der von allen Schülerinnen angehimmelt wird, und bittet ihre Schwester Cara den Jungesellinnenabschied zu organisieren.
Cara hat Spaß bei den Vorbereitungen und bis auf eine Freundin, die in Amerika lebt, kommen alle um ausgelassen, mit viel Alkohol, um zu feiern. Dann schlägt die Stimmung um als eine der Freundinnen beginnt Tom schlecht zu machen. Morgens, nachdem alle gegangen sind, steht dann überraschend die Polizei vor Caras Tür und verkündet das Tom ermordet wurde. Keine der Freundinnen kann sich richtig erinnern was sie am Rest des Abends getan hat und Cara beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.
Bei dem Buch handelt es sich um einen Thriller für Jugendliche, das auch gut für Erwachsene zu lesen ist, jedoch fehlten mir hier die richtigen Thriller Elemente. Gut zu lesen, auch teilweise spannend, jedoch waren die Ermittlungen Caras zu offensichtlich, ihr Glaube an die Unschuld der Schwester war zu vordergründig um die wahren Vorgänge darzustellen.
Die Sprache hat mir gut gefallen, ebenso die eingeflochtenen Nebenpersonen, die die ganzen Gespräche mit den Freundinnen etwas aufgelockert haben.
Für einen wirklichen Psychothriller, auch im Jugendbereich, fehlte es mir an Nervenkitzel, dennoch habe ich mich beim Lesen nicht gelangweilt und war dann doch überrascht von dem Ende.

Veröffentlicht unter Krimi und Thriller | Hinterlasse einen Kommentar

Jonasson, Jonas / Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind – abgebrochen


Johan Andersson, genannt Mörder Anders, lebt in einem Motel und beschließt nicht mehr ins Gefängnis gehen zu müssen, nachdem ihm ein paar Morde „passiert“ sind. Dafür schließt er sich Per Persson, dem Rezeptionisten und der unehrenhaft entlassenen Pfarrerin Johanna Kjellander an, um zusammen die „Körperverletzungsagentur“ zu gründen.
Normalerweise versuche ich meine Rezensionen sachlich zu begründen und fair zu bleiben, was mir hier wirklich sehr schwer fällt. Bei humorvollen Büchern kann es eben passieren das der eigene Humor nicht getroffen wird, hier kann ich jedoch keinerlei Humor erkennen, für mich ist die Geschichte ganz einfach eine Aneinanderreihung von Blödsinn, deren Aussage keine Pointe hat, nur Seiten füllt, ohne einen wirklichen Sinn hinter dem ganzen zu finden.
Mich wundert es sehr dass ich Hundert Seiten lang durchgehalten habe, um dann entnervt abzubrechen. Jede Minute mit dem Buch war verschwendete Lesezeit. Man kann nur hoffen dass der Autor für sein nächstes Buch bessere Ideen hat oder es lieber ganz sein lässt die Leser mit Schwachsinn zu quälen.

Veröffentlicht unter Romane | Hinterlasse einen Kommentar

Das Haus der verlorenen Kinder / Linda Winterberg

1941 wird Norwegen von den deutschen besetzt und immer wieder kommt es dazu das sich norwegische Frauen in deutsche Soldaten verlieben und schwanger werden. Die Frauen sind verhasst, werden als Huren und Deutschenmädchen beschimpft. Die Kinder wurden ihnen weggenommen und im Kinderheim des Vereins Lebensborn untergebracht.
In dem Buch erfahren wir die düstere Geschichte von Lisbet und Oda, die einen hohen Preis für ihre Liebe zahlen müssen. Ein Thema das nahe geht und mir bis dato unbekannt war.
In einem zweiten Handlungsstang geht es um Marie, die 2005 in einem Heim arbeitet um mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren. Dort freundet sie sich mit der 84 jährigen Betty an, die aus Norwegen stammt.
Beide Geschichten sind spannend und vor allem sehr einfühlsam beschrieben, man leidet als Leser mit und möchte gerne helfen und trösten. Man kann zwar recht bald erahnen wie die beiden Geschichten zu einer werden, jedoch bleibt es spannend auf welchem Weg dies geschehen wird.
Die Autorin hat hervorragende Recherche betrieben und ein Thema bearbeitet dass wohl vielen unbekannt war. Noch heute leiden viele Betroffene darunter nichts über ihre Abstammung zu erfahren, da Akten größtenteils vernichtet wurden. Viele Betroffene habe aus diesem Grund sogar Selbstmord begangen.
Die Geschichte von Lisbet und Oda ist eine fiktive Geschichte, basiert aber auf realen Ereignissen, die emotional sehr berührend sind. Mit vielen bewegenden Sätzen hat es Linda Winterberg geschafft mich sehr zu berühren, das Buch bleibt sicherlich noch sehr lange in meiner Erinnerung.
Einen halben Stern abziehen würde ich weil es mir hier und da ein wenig zu viel Zufall gegeben hat und weil ich die Person Jan als überflüssig wahrgenommen habe, dies ist aber schon jammern auf hohem Niveau weil ansonsten alles bis zur letzten Seite stimmig ist und den Leser mit in eine Welt nimmt, der er so schnell nicht entfliehen kann.

Veröffentlicht unter Romane | Hinterlasse einen Kommentar

Der goldene Sohn / Shilpi Somaya Gowda


Anil und Leena verbringen gegen den Widerstand der Eltern fast ihre gesamte Kindheit zusammen, bis Anil nach seinem College Abschluss nach Amerika geht um dort Arzt zu werden.
Leena wird, wie in Indien üblich, verheiratet und muss in einer schlimmen Ehe ausharren bis ihr, schwer verletzt, die Flucht gelingt.
Anil hat in den USA mit dem Kulturschock und den harten Ausbildungsbedingungen zu kämpfen. Für ihn wird es auch nicht gerade leichter wenn er in seine Heimat kommt, da er dort die Arbeit seines Vaters, als Streitschlichter, übernehmen muss.
Beide haben es nicht leicht, bis sie sich wiedersehen und die alten Gefühle wieder da sind, als seine sie nie verschwunden gewesen.
Ein wunderbares Buch, das sich so flüssig lesen lässt, dass man es kaum aus der Hand legen mag. In den Kapiteln wird abwechselnd aus der Sicht von Anil und Leena geschrieben und da ich in beide Welten vollkommen abtauchen konnte, wollte ich immer wissen wie es mit dem anderen weitergeht und war so gefesselt, dass ich Kapitel um Kapitel lesen musste.
Alle Leser, die sich für fremde Kulturen interessieren, sollte diese Geschichte auf jeden Fall lesen, man lernt viel über das Leben in Indien, aber auch die Ausbildung in den Staaten und das zurechtfinden für einen Fremden dort, fand ich sehr gut und authentisch beschrieben. Sehr gefühlvoll, aber nie kitschig, alles nachvollziehbar.
Einen halben Stern Abzug gibt es wegen dem Ende, dass ich so nicht erwartet hatte und das ich auch unpassend und zu schnell abgearbeitet fand.

Veröffentlicht unter Romane | Hinterlasse einen Kommentar

Die Töchter der Tuchvilla / Anne Jacobs


Paul wird zum Wehrdienst eingezogen und muss seine Frau Marie mit den Zwillingen alleine in der Villa zurücklassen. Während sich die Schwestern um den Haushalt kümmern und die Dienstboten unterstützen, übernimmt Marie die Führung der Firma.
Um die vielen Verletzten zu versorgen, eröffnet Elisabeth ein Lazarett in der Villa.
Dann kommt es ganz hart, Ehemänner versterben an der Front oder werden vermisst….
Der Klappentext verspricht wieder einmal Spannung und viel Emotionen, was das Buch leider nicht halten kann. Wie schon im ersten Teil „Die Tuchvilla“ wurde alles bis ins kleinste Detail ausgebreitet und mir damit den Lesespaß genommen. Die meisten Seiten habe ich nur noch überblättert weil ich wissen wollte wie es weitergeht. wäre dies kein Buch zum rezensieren gewesen, dann hätte ich es abgebrochen.
Die Geschichte selbst ist sehr interessant, wenn auch sehr kriegslastig, die Umsetzung leider missglückt. Oft ist weniger mehr und ohne die ganzen Ausschmückungen hätte mich die Story auch fesseln und berühren können. Schade

Veröffentlicht unter Sachbücher / Erfahrungsberichte | Hinterlasse einen Kommentar

Gelähmt ist nicht gestorben / Tom Gschwandtner


Bei einem Autounfall vor 20 Jahren hat sich Tom Gschwandtner den Hals gebrochen. Mit 26 Jahre ist er Querschnittsgelähmt und muss sich zurück ins Leben kämpfen.
Auch seine Lebensgefährtin Gaby wird bei dem Unfall schwer verletzt und muss monatelang en Gipskorsett tragen.
Ich muss sagen dass ich von dem Buch etwas anderes erwartet hatte und vielleicht auch aus diesem Grund skeptisch rezensiere. Sehr ausführlich beschreibt der Autor seine Zeit auf der Intensivstation, der Krankenstation und der anschließenden REHA. Dis tut er mit sehr viel Humor, der alles auflockern sollte, mir aber entschieden zu viel wurde. Ich selbst bin auch ein Mensch mit Galgenhumor und konnte vieles nachvollziehen und darüber schmunzeln, gestört hat mich die Ausgiebigkeit, zum Teil über mehrere Seiten, so dass ich teilweise überblättert habe. Es wirkte auf mich aufgesetzt und nicht mehr echt.
Zwischen Toms Bericht konnte man immer wieder einmal Tagebucheinträge von Gaby lesen, die fand ich dann wesentlich informativer weil sachlich formuliert.
Die eingestreuten Arztberichte waren für einen Laien nicht zu verstehen, zu viel Fachchinesisch. Da hätte Tom lieber in eigenen Worten formulieren sollen welche Folgen der Unfall hatte.
Der Teil über die Genesung war, wenn auch zum Teil informativ, viel zu lang und es folgten am Ende nur noch ein paar wenige Seiten über seinen Zustand nach der Entlassung aus der REHA und wie er zurück ins Leben gefunden hat. Dieser Teil hat mir viel besser gefallen, zumal er sachlich geschildert wurde und nicht fast ins lächerliche Abtrifftete wie seine Krankengeschichte.
Viel neues konnte ich aus dem Buch nicht erfahren und es konnte mich auch leider emotional nicht berühren wie ich es erwartet hatte. Ich vergebe 3,5 Sterne.

Veröffentlicht unter Sachbücher / Erfahrungsberichte | Hinterlasse einen Kommentar

Der verbotene Fluss / Susanne Goga


1890 verlässt die junge Gouvernante Berlin um eine neue Stelle in England anzutreten und dort die achtjährige Emily, die vor einem halben Jahr ihre Mutter verloren hat, zu unterrichten. Sie schließt das Mädchen bald in ihr Herz, während der Vater unnahbar bleibt. Der Tod der Mutter ist mysteriös, ihre Leiche wurde nie gefunden und der Vater hat allen verboten über Lady Ellen zu sprechen. Emily kann den Tod nicht verarbeiten und leidet unter Alpträumen, in denen sie Besuch ihrer toten Mutter bekommt. Charlotte weiß nur dass der Tod mit dem Fluss zusammenhängt und beginnt mit Hilfe des Journalisten Tom mit Nachforschungen.
Wie auch schon bei „Der dunkle Weg“ von Susanne Goga war ich sofort in der Geschichte drin, sie schafft es einfach mit ihrem anschaulichen Schreibstil den Leser zu fesseln und eine Stimmung gut zu beschreiben. Über allem liegt eine düstere und geheimnisvolle Stimmung, die mich gefesselt hat.
Die Spuren führen immer wieder ins mystische , die Zeit der Seancen und Geisterfindung, die zu der Zeit in England hochaktuell war, und die von der Gesellschaft der Society for Psychical Research, die es wirklich gab, erforscht wurde. Aber keine Angst, wer mystische Geschichten nicht mag, wie ich auch, sie wird nicht ausgeschlachtet und läuft eher am Rande mit.
Die Protagonisten waren mir sympathisch, auch wenn ich mich bei Charlotte manchmal gefragt habe ob sie sich nicht manchmal den anderen Angestellten gegenüber zu wichtig genommen hat.
Der Spannungsbogen zieht sich gleichmäßig durch die Geschichte und auch wenn man gegen Ende erahnen kann was wirklich geschehen ist, kann man das Buch nicht zur Seite legen bevor auch die letzte Seite gelesen ist.
Gerne werde ich weitere Bücher der Autorin lesen und gebe ein klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht unter Historisch | Hinterlasse einen Kommentar

Die Tuchvilla / Anne Jacobs


1913 tritt Marie, ein Waisenkind, ihre Stelle als Küchenmagd in dem Haushalt der reichen Familie Melzer an. Sie hat es zunächst nicht leicht, bis sich die Tochter des Hauses, Katharina, ihr ihre Freundschaft anbietet. Auch der Bruder von Katharina, Paul ist von der Küchenmagd ganz angetan. eine Liebe zwischen dem Sohn des Hauses und einer Angestellten wäre jedoch fatal.
Bald stellt sich heraus das Maries Herkunft nicht so ungewiss ist, wie sie auf den ersten Blick erschienen ist, darüber scheint der Herr des Hauses mehr zu wissen als er preisgibt.
Nach den ersten Seiten war ich von dem Buch sehr angetan, dies hat sich dann aber leider schnell geändert. Zum einen wird Marie zunächst als sehr zart und hilfsbedürftig dargestellt, nur ein paar Seiten weiter ist sie so stark und wehrt sich gegen einen anderen Namen und ihre Zimmergenossin. Es ist durchaus schön dass Marie einen so starken Charakter hat und sich zur Wehr zu setzen weiß, mir ging aber die Verwandlung viel zu schnell.
Dann hatte ich immer das Gefühl, dass die Handlung auf der Stelle tritt, da jedes Detail ausführlich beschrieben wurde. Ich mag einen bildhaften Schreibstil , bei dem man sich das gelesene vorstellen kann, hier war es mir eindeutig zu viel
Weiterhin gestört hat mich dass es keine historischen Fakten gab, die Geschichte hätte jederzeit und überall spielen können. Unter historischer Roman würde ich das Buch nicht einordnen, es gehört in die Rubrik Unterhaltung – Frauenromane.
Mit 700 Seiten hat sich die Autorin übernommen, weniger wäre definitiv gut gewesen, dann wären viele langatmige Passagen weggefallen.
Ein plus ist, der einfache, gut zu lesende Schreibstil, was mir aber nicht ausgereicht hat um mehr als drei Sterne zu vergeben.

Veröffentlicht unter Historisch | Hinterlasse einen Kommentar

Das Mädchen das den IS besiegte / Farida Khalaf ( Andrea C. Hoffmann)


Farida lebt mit ihrer Familie in Kocho, geht gerne zur Schule und möchte später Mathematik studieren um Lehrerin zu werden. Dann brechen unruhige Zeiten an, der IS beginnt Stadt für Stadt für sich einzunehmen. Zunächst glaubt niemand daran dass dies auch in Kocho möglich ist, aber alle haben sich getäuscht. Die Bewohner werden zusammen getrieben und mit LKWs, getrennt nach Männern und Frauen, weggebracht. Während die meisten Männer erschossen werden, beginnt für die Frauen ein wahrer Alptraum mit Misshandlungen und Vergewaltigungen.
Farida erzählt ihre Geschichte über die schlimmste Zeit in ihrem Leben. Zunächst erfahren wir einiges über ihr Leben in ruhigen Zeiten, über ihre Familie, über ihre Religion und wie sie sich von den anderen unterschieden, vor allem auch wie es dem IS gelingen konnte die Überhand zu gewinnen. Diesen Abschnitt fand ich sehr informativ, hat man einiges erfahren was man vorher so nicht wusste.
Nach der Verschleppung ging es dann um die Misshandlungen, die mehr als grausam waren, so dass man sich wundern muss, das es nicht wesentlich mehr Tote gegeben hat. Viele der Mädchen haben sich aus Angst selbst aufgegeben, nicht so Farida, sie hat von Beginn an gekämpft und immer wieder die anderen Mädchen animiert sich ihr anzuschließen. War die Bestrafung auch noch so hart, sie hat niemals aufgegeben, was ich für sehr bewundernswert halte.
Mit den ganzen Misshandlungen ist das Buch schon harte Kost, aber bedingungslos ehrlich, weiß Farida doch dass sie nun als beschmutzt gilt. Eine starke Frau, die bedingt durch ihren Mut, noch viele andere retten konnte.

Veröffentlicht unter Sachbücher / Erfahrungsberichte | Hinterlasse einen Kommentar