Der Gerechte / John Grisham


Als Grisham Fan kaufe ich Bücher von ihm schon bevor ich den Klappentext gelesen habe, was mich in diesem Fall aber auch nicht vor einem Fehlkauf gerettet hätte. Leider ist es mir schon mit seinen letzten Büchern ergangen und ich habe das Gefühle dass er mehr und mehr nachlässt.
„Der Gerechte“ ist in zwei Teile gegliedert, wobei der erste Teil einer Sammlung von Kurzgeschichten gleicht. Interessant ist in diesem Teil zu erfahren wie das amerikanische Rechtssystem funktioniert, nicht die einzelnen Fälle an sich. Beweise werden manipuliert und Recht gebeugt damit es einem anderen dient und hier kommt der engagierte Rudd zum Einsatz, der versucht dies mit allen Mitteln zu verhindern.
Im zweiten Teil geht es viel um Rudds Privatleben, um Personen, die ihm und seiner Familie nicht wohlgesonnen sind, aber auch die einzelnen Fälle aus dem ersten Teil laufen nach und nach zusammen. Hier kam dann auch endlich Spannung auf, für mich aber ein wenig zu spät.
Flüssig und locker sein Schreibstil, wie man es gewohnt ist, mit einer Prise Humor. Erschreckend wie das amerikanische Justizsystem dargestellt ist, man kann nur hoffe dass es so nicht ganz den Tatsachen entspricht und Grisham sich da einige Freiheiten genommen hat.
Ein Thriller ist es für mich jedenfalls nicht, eher ein Lehrbuch über die amerikanische Justiz, das man lesen kann wenn man sich dafür interessiert, ansonsten sollte man lieber zu anderen Büchern greifen, die mehr Spannungspotential haben.

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Die Steinheilerin / Elke Thomazo

Freising im Jahr 1590. Gret, die junge Tochter des Schuhmachers, unterstützt die Hebamme und Heilerin Brigitta Wietholz mit großer Hingabe und lernt bei ihr das Handwerk, wobei sie ihr eine gute Freundin wird. Als schwere Unwetter über Freising ziehen, wird ein Hexenprozess in Gang gesetzt, der auch Brigitta das Leben kostet. Gret kann in letzter Minute fliehen.
Die Autorin hat hier auf sehr unterhaltsame Weise fiktive Protagonisten in eine Geschichte mit realem Hintergrund verwoben. Wie man im Nachwort lesen kann wurde Freising 1590 durch schwere Hagelgewitter schwer geschädigt und hat dadurch eine Hexenhysterie ausgelöst. 21 Hexen wurden verbrannt und mehr als doppelt so viele beschuldigt und gefoltert. Da die Stadt keinen eigenen Scharfrichter hatte, wurde der Schongauer Meister Jörg Abel, der als sehr streng und erfahren galt, nach Freising beordert.
Brigitta arbeitete viel mit Heilsteinen, die auch im Anhang noch einmal aufgezählt werden, da sie bis heute noch eine Rolle spielen.
In die Geschichte muss man sich nicht erst lange einlesen, gleich war ich gefangen von der Schreibweise und Gret war mir genauso sympathisch wie Brigitta und mit Spannung habe ich ihren Weg verfolgt.
Auch wenn es absehbar war, das Brigitta dem Hexenwahn zum Opfer fallen würde, so wollte man als Leser doch noch wissen wie es dazu kommt und wie die beiden Freundinnen damit zurechtkommen.
Greta war für die damalige Zeit sehr engagiert und selbstbewusst, manchmal hat sie sich sogar etwas zu viel getraut. Jakob, am ihrer Seite, hat mir ebenfalls gut gefallen. Die Hauptdarsteller hatten viel Tiefe, so dass ich sie mir gut vorstellen konnte und mich ihrem Schicksal verbunden gefühlt habe. Mit ihrem Widersacher Merten gab es auch einen Bösewicht als Gegenpart.
Rein historisch hätten noch ein paar Hintergründe einfließen können, als Unterhaltungsroman hat die Geschichte aber voll und ganz ihren Zweck erfüllt. Ich habe das Buch von der ersten bis zur letzen Seite genossen und konnte es kaum aus der Hand legen.
Wer kein geschichtsträchtiges Buch lesen möchte und auf Unterhaltung Wert legt, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Ich vergebe eine klare Leseempfehlung.

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Kinderseelenallein / Helena Neudeck

Ann Helena wird, wie auch ihre Geschwister von den Eltern geschlagen und gedemütigt. Kommt ihre Schwester mit der Situation zurecht, so kann es Ann Helena nicht verkraften und wird schwer depressiv, daran kann auch ihre glückliche Ehe nichts ändern. Ihre Eltern haben in der Nachkriegszeit selbst nie gelernt mit ihren Gefühlen umzugehen und haben dies so an ihre Kinder weitergegeben. Es ist wie eine Spirale die sich immer wieder fortsetzt.
Ann Helena hat die Kraft sich nach mehreren Therapeuten dem Thema Depression zu stellen und einen Weg für sich und ihre Heilung zu finden.
Leider muss sich sagen das sich mit dem Buch nicht warm werden konnte, es wurde mir alles viel zu langatmig geschildert und ich hatte immer das Gefühl dass das Gesagte auf der Stelle tritt, auch wenn es Betroffenen Mut machen wird. Nach lesen des Klappentextes hatte ich etwas ganz anderes erwartet.

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Spreewaldgrab / Christiane Dieckerhoff


Die Polizistin Klaudia Wagner lässt sich nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten vom Ruhrgebiet in den Spreewald versetzen und bekommt dort gleich drei Fälle auf den Tisch, die sie bearbeiten soll. Klingt alles nach Spannung, aber weit gefehlt. Hauptsächlich geht es in dem Buch um das Privatleben der Ermittler, das nach einer gewissen Zeit nur noch nervt. Protagonisten mit Ecken und Kanten sind mir bei weitem lieber als aalglatte Charaktere, aber zu viel ist einfach zu viel. Klaudia Wagner jammert ständig über ihren Ex und ihren Tinitus, ihr Vermieter und Kollege jammert nur über seine Ehefrau, die wieder schwanger ist dann gibt es noch einen Kahnfahrer der Spazierfahrten mit der Polizistin macht, obwohl eine Straße direkt zum Tatort führt.
Bei allem bleiben die Fälle auf der Strecke und geraten zur Nebensache. Zwischendurch gibt es Kapitel von einem Opfer das ständig die gleichen Kinderreime und anderes wirres Zeugs aufsagt. Hat man ein Kapitel davon gelesen, kennt man sie alle.
Da auch der Täter schnell feststand konnte man nur noch das Ende herbeisehnen und hoffen das es keinen weiteren Fall mit der Ermittlerin Klaudia Wagner geben wird.

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Ihr letzter Blick / A.D.Garrett


Professor Nick Fenimore Frau wurde vor Jahren getötet, seine ,Tochter Suzie , die heute 16 Jahre alt wäre , ist seither spurlos verschwunden. Mit Detektiv Chief Inspektor Kate Simms, ermittelt er zusammen an alten Fällen um den Serientäter zu stoppen.
Da sich hinter dem Autoren Duo die Thrillerautorin Margaret Murphy und der hochangesehenen Forensiker Professor Dave Barclay verbergen, habe ich zusammen mit dem Klappentext Hochspannung erwartet.
Zugegeben schlecht geschrieben ist die Story nicht, jedoch kann ich ihr nicht folgen da sie überladen ist mit Informationen und der Handlungsort ständig hin und her springt.
Gleich zu Beginn des Buches gibt es ein Glossar mit 7 Ermittlern in Missouri, 5 in Oklahoma, und einen in Schottland. Danach folgen 13 Datenbanken, die immer wieder erwähnt werden. Da ist es schwer den Durchblick zu erhalten, zum es auch eine Meine Protagonisten gibt.
Richtig folgen konnte ich nur dem Jungen der von zu Hause immer flieht und da hätte ich auch gerne gewusst wie es mit ich, weiter geht. Mir ist es aber ehrlich gesagt zu mühsam mich durch weitere 300 Seiten zu quälen um dies zu erfahren, daher habe ich nach 170 Seiten abgebrochen.

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LÜgengrab / Hendrik Berg

Kommissar Krumme macht Urlaub auf einer Hallig und lernt auf der Überfahrt mit der Fähre Swantje kennen, die nach drei Jahren erstmals, nach dem Verschwinden ihres Verlobten, wieder nach Hooge fährt.
Swantje kann sich das Verschwinden von Mark nicht erklären, zumal sich alle ihre Freunde, die dabei waren, mehr als seltsam und abweisend verhalten.
Es kommt wie es kommen muss und aus dem ruhigen Urlaub für Krumme wird es nichts, er wird nach und nach immer tiefer in die Geschichte hinein gezogen. Als richtigen Kriminalroman würde ich das Buch nicht deklarieren, auch wenn ich von der ersten Seite an gefesselt war. Der Autor hat Krumme so gut und sympathisch beschrieben, das ich ihn sofort in mein Herz gehschlossen habe.
Auch hat Hendrik Berg sehr viel Recherchearbeit geleistet, in dem er das Leben auf einer Hallig so beschrieben hat, dass man sich selbst auf diese einsame Hallig versetzt gefühlt hat und mitten unter den Bewohnern dort zu Hause war. Auch die Bewohner wurden gut dargestellt, es fehlte bei den Nebenfiguren allerdings an Tiefe.
Zwischen all den Beschreibungen zu den Halligen und der Nordsee, die überaus interessant waren, geschehen Morde von denen man nicht weiß wer sie ausgeführt hat und die schon länger zurückliegen. Jemand auf der Hallig muss das Böse in sich haben.
Gegen Ende wird es dann richtig spannend und die Auflösung ist perfekt.
Mir hat das Buch so gut gefallen, dass ich auf jeden Fall mehr von dem sympathischen Kommissar Krumme lesen werde.
ich vergebe eine klare Leseempfehlung.

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Schatten der Schuld / Petra Johann

Eine Frau möchte ein altes Unrecht wieder gut machen und wird dabei im Aachener Stadtwald mit einer Axt erschlagen. Die Haare liegen abgeschnitten neben der Leiche. Die ermittelnde Hauptkommissarin Charlotte Rumor vermutet sofort dass es sich um den Axtmörder handelt, der bereits drei weitere Frauen erschlagen hat.
Alte Fälle werden wieder aufgerollt und dabei muss sich Charlotte ihren eigenen Dämonen stellen und auch ihr alter Kollege, der wegen diesen Fällen aus den Polizeidienst ausgetreten ist hat schwer damit zu kämpfen.
Mir hat es sehr gut gefallen wie die Autorin diesen Fall beschreibt, man ist immer nah dabei und fühlt sich in die Geschichte involviert. Die wenigen Protagonisten werden sehr gut beschrieben, sie haben Tiefe und man fühlt mit ihnen mit.
Es gibt immer wieder Wendungen, die die Spannung hoch halten. Den Mittelteil mit den Befragungen zu den früheren Fällen fand ich langatmig, da es sehr viel Wiederholungen gab, da hätten ein paar Seiten weniger gut getan. Danach ging es aber spannend weiter und ich empfand die Handlung als sehr lebendig.
Wer gerne komplexe Krimis liest, ist mit diesem Debüt gut bedient.

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Das Mädchen mit dem Fingerhut / Michael Köhlmeier

Ein sechsjähriges Mädchen wird von seinem „Onkel“ in einem Geschäft abgegeben damit es dort etwas zu essen bekommt. Am ersten Abend wird es wieder von „Onkel “ abgeholt, dann wird es sich abends selbst überlassen. Sie versteht die Sprache nicht und ist vollkommen hilflos. Das Mädchen streift durch die Stadt und wird von der Polizei in ein Kinderheim gebracht. dort lernt sie zwei Jungs kennen, mit denen sie flieht.
Ohne sich mit Worten zu verstehen, entwickeln sie eine Vertrautheit die ihnen hilft ihr schweres Schicksal zu meistern und zu überleben.
Es fällt mir sehr schwer dieses Buch zu bewerten denn der abgehackte Schreibstil mit seinen kurzen, prägnanten Sätzen ist schon mehr als gewöhnungsbedürftig. Hier ein Beispiel: „Sie war nun sehr ernst, sie machte ein paar Schritte auf den Container zu, blieb stehen, als ob sie lauschte. Sie glaubte nicht was sie sah, oder sie sah gar nichts anderes als einen Container, dessen Deckel einen Spalt weit geöffnet war, und sah kein Gesicht und keine Augen oder glaubte nicht, dass es ein Gesicht war, das es Augen waren.“
Durch den abgehackten Schreibstil wirkte alles sehr distanziert und es kamen keine Emotionen rüber. Mag sein dass dies vom Autor so gewünscht war, damit sich der Leser selbst Gedanken macht wie es den Kindern geht und was sie während ihrer Flucht fühlen. Nachdenklich macht das Büchlein allemal denn es passt zu der aktuellen Lage der Flüchtlinge, die sich auch allein und unverstanden fühlen, so wie da Mädchen mit dem Fingerhut.
Ich vergebe 3,5 Sterne, die ich auf Vier aufrunde.

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Tiefe Stiche / Simone Van der Vlugt


Tiefe Stiche / Simone Van der Vlugt 4/5
In Alkmaar geht ein Messerstecher um, eine Frau kommt ums Leben, andere werden schwer verletzt. Zwischen den Opfern scheint es keinen Zusammenhang zu geben und die Ermittler stehen zunächst vor einem Rätsel.
Dann wird die sympathische Ermittlerin Lois bedroht und muss sogar aus ihrer Wohnung ausziehen und bei einem Kollegen unterkommen.
Die Deklarierung als Thriller finde ich nicht richtig, das Buch ist allemal ein solider Krimi. Den Anfang finde ich nur mäßig spannend und dann stirbt der Täter und es geht hauptsächlich um das Privatleben von Louis, ihre Vergangenheit und warum ihr Vater damals die Familie verlassen hat.
Gestört hat mich dies nicht denn die Autorin hat einen guten Schreibstil, den ich sehr mag und die Handlung ist immer logisch aufgebaut, so dass ich das Buch auch mit falscher Deklarierung weiter empfehlen kann.

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Mascha du darfst sterben / Antje May


Mascha ist 17 Jahre alt als sie auf dem Weg zum Bus von einem Auto erfasst wird und ein schweres Schädel-Hirn Trauma erleidet. Sie wird zunächst ins künstliche Koma gelegt und fällt danach über Monate ins Wachkoma. Ihr Gehirn ist aufs schwerste geschädigt und ein langer Leidensweg beginnt, nicht nur für Mascha, auch für ihre alleinerziehende Mutter und den Bruder.
Ihre Mutter Antje hat während der ganzen Zeit in der Klinik Tagebuch über den Zustand der Tochter geschrieben und es ist schwer zu lesen was Macha alles mitmachen musste, man kann nur erahnen was sie davon mitbekommen hat, wahrscheinlich viel mehr als man von Wachkomapatienten annimmt.
Besonders schlimm fand ich das Wünsche der Mutter nicht respektiert wurden und alles darauf ausgelegt wurde nicht lebenswertes Leben zu erhalten, obwohl auch die Wünsche der Tochter genau feststanden und sie sich nie gewünscht hat so zu existieren. Zum Teil wird Antje schon mit Entzug des Sorgerechts bedroht wenn sie für Behandlungen gibt. Am Ende schafft sie es dann das ihre Tochter in ein Hospiz verlegt wird wo sie in Frieden sterben darf.
Das Buch ist keine leichte Kost, berührt und macht nachdenklich. Es zeigt wie wichtig es ist eine Patientenverfügung zu haben. Muss wirklich bis zum Ende die komplette Apparate Maschinerie genutzt werden? Was ist Leben, was ist existieren?
Ich konnte die Beweggründe nachvollziehen und stehe voll hinter der Entscheidung der Mutter.

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