Amisch für Anfänger – Nancy Sleeth **

Amisch für Anfänger – Nancy Sleeth **

Eine wohlhabende amerikanische Familie findet zum Glauben und beschließt von nun an genügsam nach dem Vorbild der amischen zu leben. Der Mann hängt sein Beruf als Arzt an den Nagel, geht nicht mehr arbeiten. Sie verkaufen ihr großes Haus und ziehen in ein Reihenhaus, verzichten auf Luxusgüter und spenden 1/3 ihres Einkommens. So weit, so gut.
Leider stellt sich beim lesen heraus dass das Leben der Familie mit einem amischen Leben überhaupt nichts zu tun hat. Vielmehr entpuppt sich das Buch als Ratgeber für ein Leben in Bescheidenheit, die ganzen Ratschläge werden in einem missionarischen Ton vorgetragen, gerade so, als könnte die Autorin die Welt retten.
Die meisten “Verbesserungen” sind in Deutschland selbstverständlich, für Amerikaner dürften sie zum Teil vorbildlich sein. Amerikaner haben eine ganz andere Lebensweise und Umweltschutz ist dort noch ein Fremdwort.
Dann muss man bedenken dass die Familie wohlhabend ist und für ihre Verhältnisse wahrscheinlich auf vieles verzichtet, was aber für Menschen aus der Mittelschicht so und so nicht in Frage kommt. Aus Umweltschutzgründen ein Hybridauto zu fahren kann ich leider nicht jeder leisten.
Am meisten geärgert habe ich mich über die vielen Widersprüche. Mit Strom aus der Steckdose macht man sich abhängig von den Konzernen, ein Generator tut es auch. Sie verzichtet auf einen Mixer, der braucht ja Strom. Dafür hat sie einen Backautomaten zum Teigkneten, gebacken wird dann aber im Backofen.
Sie ist froh dass sie in ihrem Reihenhaus keinen Garten mehr haben, die Zeit die dafür angefallen ist, kann man für die Familie und für Gott aufbringen. Dann geht sie aber her und mietet sich einen Anteil eines Gemeinschaftsgartens.
Computer machen den Menschen angreifbar da man zu viel von sich preisgibt und sie rauben den Menschen wertvolle Zeit. SIE braucht den PC aber für ihre Arbeit. Bei einem Gespräch mit ihrem Mann stellt sich dann aber heraus dass 90% ihrer Zeit am PC aber vergeudet sind.
Diese Liste ließe sich fast unendlich fortsetzen. Je weiter ich gelesen habe, desto mehr Wut kam in mir hoch. Unsinnige Vorschläge gepaart mit einem besserwisserischen Tonfall haben mich dazu bewogen das Buch vorzeitig abzubrechen.
Man sollte kaum glauben können dass die Familie mit diesen Thesen durchs Land zieht und damit ihren Lebensunterhalt bestreitet.
Der Titel des Buches ist irreführend, da man erwartet etwas über das Leben der Amisch zu erfahren. Besser passen würde “Vom Wohlstand” zur gehobenen Mittelschicht”, aber wer würde das Buch dann noch kaufen?
Das ist wie bei einem langweiligen Roman der aus PR Gründen den Stempel Thriller erhält.

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