Im Namen der Kirche / Peter Montalin ***

 

Nach dem Unfalltot seiner Eltern wird Andreas von seinem Onkel, einem Priester, mit ins Klosterinternat genommen. Dort wird Andreas, wie auch die anderen Kinder auf schlimmste sexuell missbraucht. Als er eines Tages den Mut hat sich zu wehren, wird er in die Psychiatrie gesteckt, aus der ihm mit Hilfe eines Pflegers, zusammen mit der Mitpatientin Michelle, die Flucht gelingt.
16 Jahre später ruft seine Großmutter den Enthüllungsjournalisten Dominik Ehrmann an und bittet ihn um Hilfe bei der Suche nach dem vermissten Enkel. Nach anfänglichem zögern nimmt er den Fall an und damit beginnt eine Jagd auf Leben und Tod.

Meine Meinung:

Zuerst das positive:
Die 624 Seiten haben sich flüssig und spannend lesen lassen. Trotz der Länge des Buches habe ich mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt.
Die ersten ca 100 Seiten haben mir sehr gut gefallen. Man wurde langsam zum Thema Missbrauch hingeführt und mit den Personen vertraut gemacht. Die Schilderungen über den Missbrauch wurden gut beschrieben und waren harte Kost. Ich fand es gut dass es so beschrieben wurde damit man sich in die Opfer einfühlen kann.
Nun das weniger positive:
Ab der Flucht entwickelt sich das Buch zu einem Thriller a´la Hollywood. Ein Zufall jagd den nächsten und alles fügt sich zum Guten.

SPOiLER
– Sie finden einen Pfleger der ihnen hilft und anstatt der Tabletten Placebos austeilt und der ihnen bei der Flucht hilft.
– Michelles Vater ist ausgerechnet ein Ganove und hat ihr beigebracht wie man einen Safe knackt und wie man ein Auto kurzschließt und damit fährt.
– Rosi aus dem Hotel erinnert sich noch an einen kleinen Jungen den sie acht Jahre zuvor durchs Hotel geführt hat und hilft ihm jetzt
-Dominik trifft in New York auf Sue, die eine begnadete Hackerin ist und in Null Komma Nichts an die Daten von Andreas damaligen Freund kommt
-Für beide ist es Liebe auf den ersten Blick und sie lässt alles hinter sich und geht mit ihm in die Schweiz, wo sie sich immerhin schon zwei mal gesehen haben.
SPOiLERENDE

Die Protagonisten werden kaum charakterisiert und von der seelischen Zerrissenheit die ein Missbrauchsopfer haben muss, ist nichts erkennbar. Eher das Gegenteil ist der Fall, alle leben danach eigentlich besser als wenn diese Vorfälle nicht gewesen wären. Sie gelangen zu Reichtum und man erkennt die Bedeutung des Spruchs “Geld regiert die Welt”
Auf diese Weise wurde das Thema Missbrauch verharmlost.
Gegen Ende des Buches geht es nur noch um neue Fälle für die Zeitschrift “Charisma” und das eigentliche Thema geht ganz unter.
Wer gerne spannende Thriller liest und es mit der Realität nicht so genau nimmt, ist mit diesem Buch gut beraten. Wer allerdings ein einfühlsames Buch über Missbrauch und deren Folgen erwartet wird bitter enttäuscht.

Fazit:
Spannend aber Thema verfehlt
Im Übrigen finde ich auch den Preis von 23,00 Euro für ein Taschenbuch grenzwertig.

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