Interview mit B.& C. Schiller am 5.10.2015 zum erscheinen von „Rattenkinder“

Fotograf: Olivier Favre
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von B. & C. Schiller

Erst einmal ein freudiges Hallo an euch Beide. Es freut mich sehr das ihr euch für ein Interview mit mir für meinen Blog bereit erklärt habt. Ich gebe zu das mir euer Name überhaupt nichts gesagt hat und ich erst durch die Ankündigung der Leserunde für „Rattenkinder“ bei Bastei Lübbe auf euch aufmerksam geworden bin. Nun, nach 2/3 dem lesen von „Rattenkinder“ weiß ich das ich bisher einiges verpasst habe, und ich kann das Ende kaum erwarten.

1.)Barbara war als Marketingagentin tätig und Christian als Journalist, war das Schreiben anfangs nur ein Hobby oder hattet ihr vor es zum Beruf zu machen?

Christian hat ja bereits früher einige Bücher veröffentlicht und als ausgesprochene Thrillerfans haben wir im Urlaub Thriller unserer Lieblingsautoren verschlungen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis wir selbst begonnen haben, eine Story zu entwickeln. Daraus ist dann unser erster Tony Braun Thriller entstanden. Das wir das Schreiben hauptberuflich machen, war eigentlich nie geplant, sondern hat sich so ergeben.

 

2.)Es ist schon sehr verwunderlich das ihr keinen Verlag gefunden habt, der eure Bücher veröffentlichen wollte. War das nicht so frustrierend das man dann die Lust verliert weiter zu schreiben und beginnt man dann nicht an sich selbst zu zweifeln?

Ja, es war sehr frustrierend und wir hatten natürlich auch Momente wo wir an uns gezweifelt haben. Aber als Optimisten haben wir nach anderen Möglichkeiten Ausschau gehalten, denn es gibt immer verschiedene Wege die zum Ziel führen.

 

3.)Da kann man ja froh sein das es bei Amazon möglich ist als Selfpublishing Autor seine Bücher zu veröffentlichen. Mit der Veröffentlichung als E-Book dürfte sich das Risiko im Rahmen gehalten haben. Euer erster Thriller “ Töten ist ganz einfach“ ist gleich gut angekommen und das zweite Buch war sogar Nummer 1 der E-Book Bestseller Charts. Lag es da nicht nahe auch in Druck zu gehen? Es gibt ja viele Leser die keine E-Books mögen….

Nein, an das haben wir in der ganzen Euphorie zunächst gar nicht gedacht. Aber es stimmt, dass es viele Leser gibt die keine ebooks mögen, deswegen gibt es für uns die Möglichkeit bei Amazon CreateSpace gedruckte Bücher herzustellen.

 

4.) Die Verkaufszahlen eurer E-Books im Netz schwanken zwischen 350 Tausend und 650 Tausend. Welche Zahl ist realistisch? Verwunderlich das es da solange gedauert hat bis ein Verlag auf euch aufmerksam wurde. Wird es nun  auch die anderen Bücher in gedruckter Form geben, oder wartet der Verlag erst einmal ab wie erfolgreich „Rattenkinder“ wird?

Wir haben bisher ca. 650.000 ebooks verkauft. Die 350.000 stehen im Pressetext vom Verlag und betreffen nur die Tony Braun Thriller, wo bei es mittlerweile schon wieder über 400.000 sind.
Wir hoffen, dass die ersten vier Tony Braun Thriller vom Verlag auch veröffentlicht werden und viele neue Leser erreichen können. Natürlich hängt das auch vom Erfolg der „Rattenkinder“ ab;)

 

5.) Als Selfpublisher wart ihr es ja bestimmt gewohnt „frei Schnauze“ zu arbeiten. Wie ist das jetzt wenn ein großer Verlag dahinter steht? Wirkt das nicht einengend weil man sich auf einmal an Vorgaben wie Seitenzahlen, eventuell Thema, Titel und Cover halten muss, oder ist es eher befreiend sich nicht mehr um alles selber kümmern zu müssen?

Es war sicher eine Umstellung mit einem großen Verlag zusammen zu arbeiten. Wir haben aber bei unserem Verlag ein tolles Team (Lektorat, PR, Marketing, Vertrieb) bekommen und es macht viel Spaß und ist bereichernd
Die Unterschiede liegen vor allem in den vielen Arbeitsschritten, die es im Selfpublishing Bereich natürlich so nicht gibt. So gibt es alleine beim Lektorat mindestens drei bis vier Korrekturstufen. Das hängt auch mit dem Veröffentlichungszyklus zusammen, der bei einem Verlag natürlich wesentlich größer ist als im SP Bereich. Dort publizieren wir 3 Thriller im Jahr und wir werden sicher immer wieder eigene Titel veröffentlichen. Diese Freiheit ist sehr wichtig für uns.

 

6.) Gibt es einen Unterschied beim Lektorat? Habt ihr vorher das lektorieren auch Profis überlassen?

Wir haben vorher immer mit einem professionellen Lektorat zusammen gearbeitet. Beim Verlag gibt es mehr Arbeitsschritte beim Lektorat und es ist manchmal auch etwas “strenger“ was zB Textänderungen betrifft.

 

7.)“Rattenkinder“ ist ja ein sozial kritischer Thriller, mit einem Bezug zur Realität um den eine fiktive Geschichte erzählt wird. Ist dies bei all euren Büchern so?

Sozialkritische Themen sind uns bei den Tony Braun Thrillern wichtig, so sind es bei den „Rattenkindern“ die Roma, die von unserer Gesellschaft nach wie vor wie Ausgeschlossene behandelt werden.
Im Vordergrund steht aber immer eine spannende Handlung, wie man es von einem Thriller eben so erwartet.

 

8.)Wird es weiterhin Thriller mit dem Ermittler Tony Braun geben und wenn ja, ist das nächste schon in Arbeit?

Ja, es wird weitere Thriller mit Tony Braun geben und soviel können wir verraten: die Geschichte mit Viktor Maly ist noch nicht zu Ende, es geht weiter. Wir arbeiten bereits an dem Plot für den nächsten Thriller mit Tony Braun.

 

9.) Woher nehmt ihr immer die Ideen für eure Bücher? ist man als  Selfpublisher  auch an Abgabefristen gebunden oder konnte man auch mal längere Zeit Pause machen wenn einem nichts spannendes eingefallen ist? Ist der Druck für eine neue Story jetzt, mit einem Verlag im Rücken, größer geworden?

Die Ideen für unsere Bücher entstehen im Kopf und bisher hatten wir noch nie das Problem dass uns keine Geschichten mehr einfallen, im Gegenteil wir haben manchmal zu viele Ideen für neue Bücher. Klar haben wir als SP-Autoren auch Termine und Fristen die eingehalten werden müssen und das ist gut so. Der Druck ist also mit dem Verlag nicht größer geworden.

 

10.)In der Leserunde habt ihr erzählt wie ihr euch das Schreiben aufteilt. Jeder schreibt ein Kapitel und dann wird das besprochen. Barbara ist für die brutaleren Szenen verantwortlich, während Christian mehr für die zwischenmenschlichen Beziehungen verantwortlich ist. Ist das nicht ungewöhnlich? Frauen werden ja immer für die sanfteren gehalten. J

Wir teilen uns die Kapitel auf. Christian bekommt oft Protagonisten die er nicht mag, die werden dann besonders gut und Barbara hat eine Vorliebe für die bösen Charaktere. Frauen sind natürlich sanfter und emotionaler als Männer, aber sie können manchmal auch böser und kaltblütiger denken.

 
11.)Wenn ihr ganz unterschiedlicher Meinung seid, wer geht dann meistens als „Sieger“ hervor?
 
Das kommt darauf an. Wir diskutieren meistens lange und die besseren Argumente gewinnen. Unser Hund Jabali ist ein sehr guter Mediator, der hasst es wenn es zu laut wird und wir beide streiten.

 

12.)Könnte auch jeder für sich ein Buch schreiben oder geht das für euch nur zusammen?

Sicher kann jeder ein eigenes Buch schreiben, das wird dann aber nicht so gut werden;)

 

13.)Schreibt ihr jeden Tag oder gibt es auch Tage an denen es gar nicht läuft?

Wir schreiben nicht jeden Tag, es gibt auch längere Schreibpausen. Diese thrillerlose Zeit ist sehr wichtig,  damit wir den Kopf „entleeren“ können.

 

14.) Wie war es für euch als Bastei Lübbe angefragt hat ob ihr die Leserunde begleiten wollt (Ich gehe natürlich davon aus das es freiwillig war). Hattet ihr Bedenken ob es vielleicht zu viel Kritik gibt oder habt ihr darin mehr die Chance gesehen mehr über die Denkweise der Leser zu erfahren?

Wir haben uns sehr gefreut als wir erfahren haben dass unsere „Rattenkinder“ bei der Bastei Lübbe Leserunde dabei sind, denn das ist nicht für jedes Buch möglich. Uns hat es sehr interessiert die Denkweise der LeserInnen kennen zu lernen und auch die Diskussionen mitzuerleben. Angst vor Kritik haben wir keine, denn die wird es immer geben und das ist wichtig, denn uns gefällt ja auch nicht jedes Buch.
 
15.) Wie geht ihr überhaupt mit Kritik um? Es kann ja sein das ihr total von einer Story überzeugt seid und die Leser der Meinung sind, da es das schlechteste Buch aller Zeiten ist. Wie verkraftet man das als Autor wenn man sein ganzes Herzblut investiert hat?

Wenn es Leser gibt die meinen dass unser Thriller das schlechteste Buch aller Zeiten ist, so hoffen wir, dass es auch Leser gibt für die das Buch der beste Thriller aller Zeiten ist. Sicher ist es nicht schön so eine Kritik zu lesen, aber das gehört dazu und nur so entwickelt man sich als Autor auch weiter.
 
16.) Christian hat den österreichischen Serienmörder Jack Unterweger interviewt. Wie ist das wenn man  so einem Menschen gegenüber sitzt? Ich stelle mir das sehr gruselig vor. Kann man seine Denkweise auch nur annähernd nachvollziehen?

Das Interview mit dem Serienmörder Jack Unterweger war für Christian eine beindruckende Erfahrung, aber natürlich war es sehr beklemmend und man konnte die böse Aura direkt spüren. Christian hatte immer das Gefühl dass eine falsche Frage Jack Unterweger zum Explodieren bringen könnte und er ausrastet. Am Erschreckendsten an Jack Unterweger waren die mangelnde Empathie und sein grenzenloser Narzissmus. Er hatte überall an den Wänden lebensgroße Poster von sich selbst und mehrere Ordner in denen er alle Artikel seines ersten Mordes abgelegt hatte. Nie kam auch nur ein Wort des Bedauerns für die Opfer über seine Lippen. Es war ein Gefühl, als wäre Christian in das Reich des Bösen hinabgestiegen und dieses Gefühl versuchen wir natürlich auch bei manchen unserer düsteren Protagonisten zu vermitteln.
 
17.)In Kürze ist die Frankfurter Buchmesse und ihr seid dort am Freitag dem 16.10. am Bastei Lübbe Stand. Warum nicht an einem Samstag oder Sonntag wenn die breite Masse kommen kann und nicht nur Fachbesucher?

Wir sind diesmal von Mittwoch bis Freitag auf der Frankfurter Buchmesse und es tut uns natürlich leid, dass wir am Wochenende nicht dabei sein können. Wir müssen aber am Samstag bereits wieder nach Wien fliegen, da es einen wichtigen Termin in unserer Familie gibt.

 

18.) Welche Erwartungen habt ihr an die Buchmesse?

Wir freuen uns schon sehr auf die Buchmesse in Frankfurt und dass wir neue LeserInnen für unsere Rattenkinder begeistern können. Es gibt auch interessante Termine mit Journalisten und Buchblogger. Am Donnerstag, 16.10., 14h, Halle 3  gibt es die Preisverleihung für den Deutschen Selfpublishing Award, wo wir mit unserem Thriller „Totes Sommermädchen“ unter den besten fünf nominiert sind. Dazu laden wir alle Interessierten herzlich ein.
 
Ich denke ich habe euch genug gelöchert und bedanke mich ganz herzlich bei euch das ihr mir so geduldig meine Fragen beantwortet habt. Wobei mir doch glatt noch eine Frage einfällt. Wer hat mir hier Rede und Antwort gestanden?
Nun fiebere ich der Buchmesse entgegen und hoffe das ich es schaffe euch dort zu treffen um mir mein Manuskript signieren zu lassen und natürlich um euch als reale Menschen kennen zu lernen. Dann kann ich in meinem Blog auch ein paar Fotos nachreichen.
Für „Ratenkinder“ wünsche ich euch viel Erfolg, das Buch hat es verdient. Für mich war es ein Highlight dieses Jahr im Thrillerbereich und das obwohl ich in Leserunden viel kritischer lese.

Das Interview wurde von Barbara und Christian Schiller gemeinsam geführt. Wir bedanken uns recht herzlich für diese sehr professionellen Fragen. Es hat uns großen Spaß gemacht. Viel Erfolg & Glück weiterhin für diesen tollen Blog!


Mit freundlicher Genehmigung von B. & C. Schiller

5 Antworten auf Interview mit B.& C. Schiller am 5.10.2015 zum erscheinen von „Rattenkinder“

  1. badwoman sagt:

    Hallo Hessen, ein tolles, informatives Interview! Gut gemacht!

  2. lilofee sagt:

    das interview ist interessant und sehr aufschlussreich.
    gefällt mir!

  3. lissycat sagt:

    Supertolles Interview, wenn jetzt noch ein paar Fotos kommen wird es perfekt

  4. Ani sagt:

    Ein wirklich interessantes Interview, mit lesenswerten Fragen und sympathischen Antworten! Toll!

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