Interview mit Oliver Becker am 26.01.2014

1.) Wie bist du zum schreiben gekommen und wann hast du damit begonnen?
Oliver Becker:
Na ja, irgendwie ist es wohl eher zu mir gekommen, so genau kann ich das gar nicht sagen. Geschichten haben mich einfach immer schon sehr fasziniert Und dann musste ich selbst welche erfinden und aufschreiben. Übrigens schon sehr früh, als ich vielleicht 10 oder 11 war. Und seither hat es mich nicht mehr losgelassen.

 

2.) Wurde gleich dein erstes Buch veröffentlicht oder hast du noch ein unveröffentlichtes Manuskript in der Schublade liegen?
Oliver Becker:
Nein, es war bestimmt schon mein drittes oder viertes Manuskript, das dann als gedruckter Roman zum Leben erweckt worden ist. Und eigentlich habe ich immer irgendeine Idee, eine Geschichte, ein Konzept im Schreibtisch herumliegen.

 

3.) Wie schwer war es einen Verlag zu finden und verhandelst du selbst oder hast du einen Agenten?
Oliver Becker:
Ich habe eine Agentin, die sich unermüdlich für mich einsetzt und für mich bereits 10 Romanverträge vermittelt hat.

 

4.) Du arbeitest ja in einer Werbeagentur und schreibst nebenbei. Wie findest du neben der Arbeit noch Zeit zum schreiben?
Oliver Becker:
Wenig Schlaf …

 

5.)Könntest du vom Schreiben leben?
Oliver Becker:
Ich könnte schon, aber dann gebe es seltener Marzipanschokolade. Und außerdem gefällt mir mein Job in der Werbung auch sehr gut. Es ist etwas völlig anderes als Romaneschreiben und gerade deshalb finde ich es so gut. So bin ich zum Beispiel oft auf Filmdrehs, zuletzt für 6 Wochen in Südamerika. Das hätte ich beim Schreiben  nicht.

 

6.)Wie lange schreibst du an einem Buch und wie lange dauert die Recherche dafür?
Oliver Becker:
Das hängt vom jeweiligen Roman ab. Bei einem historischen Stoff kann die Recherche länger dauern als die eigentliche Schreiberei. Manchmal passiert auch beides gleichzeitig. An dem Krimi „Schmetterlingstod“ habe ich 5 Monate gearbeitet, an „Die Schatten von New Orleans“ über 5 Jahre.

 

7.) Wie ist es für dich wenn beim Lektorat Passagen gestrichen werden, die dir am Herzen liegen? Hast du dabei ein Mitspracherecht?
Oliver Becker:
Na klar habe ich dabei Mitspracherecht. Und bisher habe ich es noch nie erlebt, dass ganze Passagen wirklich entfallen sollten. Meistens wird in aller Ruhe über bestimmte Punkte diskutiert. Und dann kommen oft vom Verlag Vorschläge. Aber dass etwas einfach „angeordnet“ wird, das kenne ich zum Glück bisher noch nicht.

 

8.) Oft werden Autoren gefragt ob sie Einfluss auf das Cover haben, mich würde etwas anderes interessieren. Wer bestimmt den Titel und wer schreibt den Klappentext?
Oliver Becker:
Ich mache sowohl beim Titel als auch beim Klappentext Vorschläge. Manchmal verändern die Verlage den Klappentext – das zeigen sie mir dann aber vorher, um zuzustimmen. Oder eben nicht zuzustimmen. In der Regel war es nie ein Problem, zu Lösungen zu kommen, die sowohl mir als auch dem Verlag gefallen.

 

9.) Bei anderen Romanen erkennt man gleich an der Sprache das es sich um einen historischen Roman handelt. Du jedoch schreibst in einer modernen, der jetzigen Zeit angepassten Sprache. Hat dies einen bestimmten Grund? Magst du dich damit von der Masse abheben oder ist es dir zu „umständlich“ auf die Sprache der damaligen Zeit umzuschwenken?
Oliver Becker:
Es gibt keinen einzigen historischen Roman, der wirklich die Sprache seiner Epoche exakt widergibt. Denn dann würde ihn keiner von uns lesen wollen. Meine Krähentochter-Trilogie etwa spielt während des 30jährigen Kriegs. Würde ich versuchen, die Sprache jener Zeit zu nutzen, könnte kein Mensch etwas mit den Dialogen anfangen. In den meisten Histo-Romanen schreiben Autoren so eine Art Zwittersprache. Das heißt, sie schreiben eigentlich in unserer heutigen Sprache, durchsetzten die Dialoge aber mit etwas altertümlich wirkenden Begriffen wie etwa „fürderhin“ und so weiter. So entsteht dann lediglich der Eindruck, es sei „historisch“. Ich bin diesen Weg nie gegangen. Ich schreibe für heutige Leser, die nach unseren heutigen alltäglichen Sprachmaßstäben und Sprachgewohnheiten unterhalten werden sollen. Deshalb versuche ich, die Äußerungen meiner Figuren an die heutige Sprache anzupassen, ohne dabei aber moderne Begriffe zu verwenden.

 

10.) Wo kommen dir die Ideen zu deinen Romanen?
Oliver Becker:
Durch Beobachtung, Fantasie, Erfahrung, das Lesen über längst vergangene Zeiten. Alles zusammen.

 

11.) Arbeitest du schon an einen neuen Roman und wenn ja kannst du uns schon etwas darüber verraten?

Oliver Becker:
Ja, mein nächster Roman steht bereits in den Startlöchern. Er erscheint im Februar 2015. „Das Raunen der Toten“. Ein düsterer Krimi aus den 1930er Jahren. Etwas ganz anderes als meine Histo-Romane oder „Schmetterlingstod“ oder „Marovka Blues“. Aber das ist gerade das Spannende am Schreiben: dass man  immer etwas ganz Neues anfangen, dass man immer wieder neues Erzählterrain betreten kann.

 

Lieber Oliver, ich bedanke mich ganz herzlich bei dir das du dir die Zeit genommen hast meine Fragen zu beantworten.

2 Antworten auf Interview mit Oliver Becker am 26.01.2014

  1. Oliver Becker sagt:

    :-)
    Nochmals besten Dank für die Fragen und den netten Kontakt! LG, oliver

  2. Claudia J. sagt:

    Ein sehr schönes Interview und die Antworten machen den Autoren symphatisch :-)

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