Anklage Sterbehilfe / Martina Rosenberg 5/5

In ihrem Buch „Anklage Sterbehilfe“ erzählt die Autorin die bewegende Geschichte von Jan und dessen Mutter, die ihren Sohn nach dem Tod des Vaters zunächst allein erzieht, bevor sie wieder heiratet. Katharina ist eine lebenslustige Frau als sie mit 40 bei einem Reitunfall eine schwere Hirnschädigung erleidet und ins Wachkoma fällt.
Nach der Reha ist sie austherapiert und wird in ein Pflegeheim verlegt. Neben der emotionalen Belastung kommen erhebliche Kosten auf ihren Mann zu und dem Ehemann droht der finanzielle Ruin.
Jans Leidensdruck wird immer größer und er flüchtet sich gelegentlich in Alkohol und Drogen um zu vergessen. Acht lange Jahre ändert sich nichts an Katharinas Zustand und die Familie kann die Qualen die sie erleidet kaum noch ertragen. Da die Klinik es ablehnt Sterbehilfe zu leisten reift in Jan der Plan seine Mutter zu erlösen. Er weiß genau das er dafür ins Gefängnis kommt und dennoch setzt er seinen Plan in die Tat um und erstickt seine Mutter.
Das Buch liest sich nicht wie ein trockenes Sachbuch, eher wie ein Drama. Das es genau so vielfach auf der Welt geschieht macht sehr nachdenklich und man fragt sich ob die Gesetze in Deutschland so wirklich gerecht sind.
Ich bewundere Jan für seine Tat, das er den Mut gefunden hat seine Mutter zu erlösen. Warum darf in Deutschland keine Sterbehilfe geleistet werden wenn klar feststeht das der Betroffene auf keinen Fall so hätte leben wollen? Dafür müsste man zunächst erst einmal genau definieren wann Leben beginnt und wo es endet. Ist ein dahin vegetieren noch Leben nur weil noch Blut durch die Adern fließt?
Meines Erachtens nach Nein. Die Regelung der Niederlande, das es ausschlaggebend ist ob ein Leben menschenwürdig ist, ist da menschlicher, auch wenn es einen Akt der Gnade beinhaltet.
In Deutschland ist es ein Krieg mit der Bürokratie, Hilfe ist jedoch in weiter Ferne. Wie können Außenstehende die so etwas nie durchlitten haben über andere richten? Bei Katharina sind die Besuche von Freunden und Bekannten schnell ausgeblieben weil sie eh nichts mitbekommen hat. Wie können solche Menschen dann über den Mann und den Sohn urteilen?
Mit sehr viel Einfühlungsvermögen hat die Autorin Jan im Gefängnis befragt und seine authentische Geschichte nieder geschrieben. Danke dafür, es regt hoffentlich die Menschen zum nachdenken an und kann etwas in Bezug auf deutsche Gesetze bewegen.

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Eine Antwort auf Anklage Sterbehilfe / Martina Rosenberg 5/5

  1. Claudia sagt:

    Das scheint ein tolles Buch zu sein, zu einem Thema was gerne unter den Teppich gekehrt wird. Bis es einen trifft und man hilflos da steht.
    Die Tat vom Sohn kann ich gut verstehen und verurteile ihn sicher nicht!

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